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Die im März 1945 zerstörten Toskanazimmer (ca. 30 Zimmer) wurden 1806 von
Großherzog Ferdinand III von Toskana in Auftrag gegeben. Napoleon selbst
hatte ihn von Florenz nach Würzburg zur Regierungsübernahme abkommandiert, wo
Ferdinand III bis 1814 ein Interregnum führte.
In Würzburg angekommen beauftragte er den französischen Architekten N.A.
Salins de Monfort einige Räume der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz
unter Vorgabe des neuen französischen Empirestils zu Wohn- und
Repräsentationsräumen umzugestalten.*
Nach dem Krieg wurden wegen Gebäudemangels Räume der Residenz von der
Universität Würzburg renoviert und mit Universitätsinstituten gefüllt -
darunter als einzig renoviertes von dreißig Zimmern, der sogenannte "Toscanasaal".
Dieser von der Öffentlichkeit äußerst beliebte Konzert- und Vortragsraum
wird hauptsächlich von der Universität als Vorlesungssaal genutzt.
Es ist ein Rondellsaal mit einer Galerie. Ringsum wechseln sich hohe
Fenster; bzw. Spiegelfenster (zum Treppenhaus) mit ornamentalen
Dekorationsflächen ab, die in einen Rahmen aus roten Scheinmarmor gefasst
sind.
Eindrucksvoll sind die Vermischung verschiedener Stilrichtungen in diesem
Saal:
- Barocke Elemente:
- Vortäuschung einer Deckenwölbung durch illustionistische
Malerei
- Vortäuschung eines
freistehenden Raumes ohne Ein-/Ausgang durch Spiegelfenster
und Spiegeltüren
- Flächenverkleidung mit
Scheinmarmor
- Dekorationsfeld:
Brunnen mit Putten
- Louis XVI Elemente:
naturalistischer
Dekorationsstil: Blumenkörbe, Weidenzweige, Vögel, Pflanzengehänge,
Girlanden
und Bildnismedaillons, Trophäen,
Musikinstrumente ...)
- Empirestile:
-Typisch ist die
Einteilung der Innenwände in abgegrenzte Felder,
z. B. mittels
Stuckprofilen und/oder Wandspiegeln und
- Motive aus der
griechisch-römischen Antike
- flankierende Halbsäulen
mit angedeuteten Schneckenkapitell,
- Motive: (Girlanden,
Lorbeer, Kränze, Faune, Nymphen, Zentauren,
Amphoren tragende und Leier spielende Gestalten.....)
- antikisierender
symmetrischen Dekor
- Ornamente in
Mäanderform
Diese Eindrücke zusammengenommen machen den besonderen Reiz dieses
Rondellsaales aus:
er ist eingehüllt in ein südlich angehauchtes Flair und strahlt eine
bunt-fröhliche Beschwingtheit aus.
* vgl. Helmreich-Schöller, I.: Die
Toskanazimmer der Würzburger Residenz,
Ein Beitrag
zur Raumkunst des Empire in Deutschland
(Beiträge zur
Kunstwissenschaft; Bd 16)
München:
Scaneg 1987 |